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ZECKENBORRELIOSE
Zecken-Borreliose

Die Zecken-Borreliose wird auch als Ly me-Borreliose bezeichnet.

Seit den frühen 80er Jahre ist bekannt, daß die Zeckenborreliose durch das Bakterium Borrelia burgdorferi hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch infizierte Insekten, insbes. Zec ken.

Die Zeckenborreliose ist eine Multisystemerkrankung und läuft in Stadien ab. Die variable Symptomatik reicht von akuten Hautläsionen (Erythema chronicum migrans) bis hin zu schweren rheumatologischen, neurologischen und kardialen (= das Herz betreffenden) Manifestationen (=Erscheinungen).  
Grundsätzlich kann jede der klinischen Manifestationen
(= Krankheitszeichen) isoliert, aber auch in Kombinationen auftreten.

Vorab noch ein Wort zur Vorbeugung einer Zecken-Borreliose:

Natürlich sollte die Zecke so schnell als möglich vollständig entfernt werden, dazu gibt es spezielle Vorrichtungen (z.B. www.zeckenschlinge.de). In entsprechenden Risikogebieten sollte man sich ein solches Instrument vielleicht doch zulegen. Nach einem Bericht der Ärztezeitung kann die Borreliose mit einer Verabreichung von 200 Milligramm Doxycyclin binnen drei Tagen nach einem Zec kenbiß bzw. Zec kenstich wirksam verhindert werden. Eine solche Vorbeugung ist aber nur dann sinnvoll, wenn die Kontaktzeit mit der Zecke mehr als 12 Stunden betragen hat. Unterhalb dieses Zeitlimits ist eine Übertragung der Erreger sehr unwahrscheinlich. Sicherheitshalber kann man nach Entfernung der Zecke dieselbe mit zum Arzt bringen, mittels Laboruntersuchungen kann dann festgestellt werden, ob diese Zecke überhaupt Borrelien in sich hatte und somit eine Zeckenborreliose übertragen konnte.

Im Stadium I der Zeckenborreliose tritt als häufigste Frühmanifestation und damit Leitsymptom (= vorherrschendes, hinweisendes Krankheitszeichen) das Erythema migrans (= wandernde, flächenhafte Hautrötung) auf, Tage bis Wochen nach dem Zec kenstich. Die makulöse (= fleckförmige) oder oder papulöse (= knötchenartige), ringförmige Effloreszenz (= Hautausschlag) blaßt im weiteren Verlauf in der Mitte ab.
Begleitend zum Erythema migrans können Allgemeinsymptome wie Fieber, Myalgie
(= Muskelschmerz) und Kopfschmerz, selten auch ein Meningismus (= Krankheitszeichen wie bei einer Hirnhautentzündung) auftreten. 
Eine besondere dermatologische
(= die Haut betreffende) Reaktionsform stellt das Borrel ien-Lymphozytom dar. Der rötlich livide Tumor tritt bevorzugt an Ohrläppchen, Mamille (= Brustwarze) oder Hodensack auf. Das Borrel ien-Lymphozytom kann allerdings häufig nicht eindeutig einem bestimmten Stadium zugeordnet werden. Selten kann es aufgrund hämatogener Aussaat (= Streuung über die Blutbahn) zu multiplen Erythemen (= Hautrötungen) kommen.

Im Stadium II der Zeckenborreliose treten am häufigsten neurologische Manifestationen (= Erkennbarwerden einer Erkrankung) auf (Neu roborreliose), insbesondere die lymphozytäre Meningoradikulitis (LMR) mit typischer klinischer Symptomatik in Form von radikulären (= Nervenwurzel betreffenden) Schmerzen, häufig als quälend und brennend charakterisiert mit nächtlichen Schmerzexazerbationen (= Verschlimmerungen)

In unserem bisherigen Patientengut war diesbezüglich hauptsächlich der
Pl exus lumbal is (= Nervengeflecht aus der Lendenwirbelsäule) betroffen, seltener der N. ischiadicus. Obwohl davon auszugehen ist, daß die ursächlichen Läsionen das Zentralnervensystem bzw. Rückenmark betreffen, haben wir mit der therapeutischen Lokalanästhesie in Form von "peripheren" Blockaden des Pl exus lumbal is bzw. des N. ischiadicus gute Erfolge gesehen. Wahrscheinlich ist dies darauf zurückzuführen, daß gleichzeitig auch das sympathische System gestört bzw. betroffen ist und der Pl exus lumbal is ja reichlich vegetative Fasern mit sich führt, gleiches gilt für den N. isch iadicus
Als nächst höhere Therapiestufe käme bei Zecken-Borreliose dann auch die kontinuierliche epidurale
(= rückenmarknahe) Blockade in Frage. Die aufgeführten Blockademethoden sind unten beschrieben.

In diesem Zusammenhang ist über ein Phänomen zu berichten, das bisher in der Literatur nicht aufgeführt wurde, diagnostisch aber richtungsweisend sein kann. Aufgefallen ist bei mehreren betroffenen Patienten mit Zeckenborreliose ein inkonstantes Reflexverhalten. So war der PSR (= Reflex der Kniescheibensehne) bei einer Untersuchung regelrecht auslösbar und bei der nächsten, Tage später nicht mehr und umgekehrt.

Ein weiteres Leitsymptom für die Zeckenborreliose (Stadium II) sind Hirnnervenlähmungen, seltener Extremitä ten- (= Ar m/Bei n-) oder Rumpflähmungen. Die Meningoradikulitis führt zu einem charakteristischen Liquorbefund (= Untersuchung des Hirnwassers):

  1. Lymphozytäre Pleozytose (= erhöhte Lymphozytenzahl) (zwischen 30/3 und 3000/3 Zellen) und

  2. Liquoreiweißerhöhung

Nach erfolgloser antibiotischer Basistherapie kann zur Schmerztherapie bei Zeckenborreliose ambulant zunächst Baclofen (z.B. Lioresal®) versucht werden. Teilweise hilft auch Carbamazepin (z.B. Tegretal®) oder Gabapentin (z.B. Neurontin®) bzw. Pregabalin (Lyrica®) (die Kombination mit Baclofen ist ebenfalls wirksam und spart Carbamazepin bzw. Gabapentin oder Pregabalin ein, womit eine höhere Dosierung und die damit verbundenen Nebenwirkungen vermieden werden kann).

Eine weitere Manifestation des Stadium II der Zeckenborreliose stellt die Ly me-Karditis dar, gekennzeichnet durch Herzrhythmusstörungen, hpts. in Form von AV-Blockierungen unterschiedlichen Grades.

Im Stadium III der Zeckenborreliose zeigen sich hauptsächlich zwei Manifestationen (= Erkennbarwerden einer Erkrankung):

  1. Acrodermatitis chronica atrophicans (ACA): Nach langer Inkubationszeit (= Zeitspanne zwischen der Ansteckung und Auftreten von Krankheitszeichen) (Monate bis Jahre) folgen einem initial (= eingangs) infiltrativen Stadium charakteristische atrophische Veränderungen: dünne, ähnlich einem Zigarettenpapier, gefältelte Haut bei livider Verfärbung und die Gefäße treten plastisch hervor.

  2. Lyme-Arthritis: Diese Gelenkerkrankung kann mono- oder polyartikulär (= ein oder mehrere Gelen ke betreffend), chronisch oder intermittierend ablaufen. Differentialdiagnostisch (= was außer Zeckenborreliose sonst noch an Krankheiten in Frage kommt) ist eine rheumatische Genese (= Ursache) (die sog. rheumatoide Arthritis) bedeutsam.

Diagnostik bei Zeckenborreliose

Der direkte Erregernachweis mittels Kultur oder Mikroskopie bringt zwar einen frühzeitigen Nachweis (sofern eine Anzucht überhaupt gelingt), ist aber sehr aufwendig. In der Praxis kommen deshalb hauptsächlich serologische Verfahren (Nachweis der erregerspezifischen Immunantwort) zum Einsatz, wobei die diagnostische Sensitivität im Frühstadium der Krankheit aber eher gering und erst in späteren Stadien hoch ist. Bei Verdacht auf Neuroborreliose sollte grundsätzlich auch der Liquor cerebrospinalis (= das Hirnwasser) untersucht werden (Liquor/Serum-Paar vom selben Tag). 
Eine zunehmende Bedeutung erlangt auch bei Zeckenborreliose die sog. Polymerase-Kettenreaktion (PCR), weil mit dieser Methode innerhalb kurzer Zeit bereits geringe Mengen an Spirochäten nachgewiesen werden können. Der Nachweis spezifischer Genanteile (Nukleinsäuren) hat den Vorteil, daß lebende Organismen nicht vorhanden sein müssen und es daher beim Transport der Proben keiner besonderen Vorsichtsmaßnahme bedarf. Geeignete Untersuchungsmaterialien sind bei Zeckenborreliose:

Differentialdiagnostik (= was außer Zeckenborreliose sonst noch an Krankheiten in Frage kommen könnte): Wie oben schon erwähnt, kann eine Arthritis auch rheumatischer Natur sein. Herzrhythmusstörungen sind am ehesten kardial (= das Herz betreffend) bedingt und nur selten auf eine Zeckenborreliose zurückzuführen. Radikuläre (= Nervenwurzeln betreffende) Störungen, wie sie im Rahmen einer borreliosebedingten, lymphozytären Meningoradikulitis (LMR) auftreten, können auch einer Multiplen Sklerose zugeordnet werden. Eine zunehmende differentialdiagnostische Bedeutung dürfte die neu entdeckte Huma ne Granu locyten Ehrlichiose (HGE) erlangen.

Die Primärtherapie (= Basis- oder Grundbehandlung) der Zeckenborreliose erfolgt mit Antibiotika. Persistierende (= trotz Basisbehandlung verbleibende) Beschwerden / Schmerzen sind bei Zeckenborreliose leider oftmals sehr hartnäckig und geben dann Anlaß einen Schmerztherapeuten aufzusuchen.

Nach bisheriger Lehrmeinung entwickelt nur ein Bruchteil der mit Borrel ien infizierten Patienten Späterkrankungen in Form einer Zeckenborreliose. Hassler (1998)(2) dagegen fand bei seinen Untersuchungen keinen Patienten, bei dem eine Borrel ien-Infek tion symptomlos (= ohne Krankheitszeichen) geblieben ist und empfiehlt deshalb die Antibiotikatherapie bei allen testpositiven (ca. 6 Wochen nach Zec kenbiß) Patienten, denn verschiedene "Volkskrankheiten" wie Arthrit is, Nervenlähmungen oder Herzrhythmusstörungen können die Spätfolge eines Zec kenbisses sein. Die neu entdeckte Huma ne Granu locyten Eh rlichiose (HGE) gewinnt differentialdiagnostisch (= was außer Zeckenborreliose sonst noch an Krankheiten in Frage kommt) an Bedeutung.

Literatur: (1) Tiller, F.-W.; Diagnostische Bibliothek, Nr. 48, Juni 1997, Blackwell Wissenschaftsverlag. (2) Hassler, D.; Focus-Magazin, Nr. 17 (20.4.1998) - Teilveröffentlichung einer Habilitationsschrift über Zeckenborreliose -

Methodenbeschreibung "Kontinuierliche (repetitive) Nervenblockaden mit Katheter":

  1. Nervus femoralis (vorderer Oberschenkelnerv): Bei dieser Methode suchen wir von der Vorderseite des Oberschenkels her, handbreit unterhalb des Leistenbandes mit einer Kanüle in der Tiefe den Oberschenkelnerv auf und legen in die Nervenscheide (Gewebsumhüllung des Nerven) einen dünnen Kunststoffschlauch (Katheter) ein. In den nächsten 2-3 Wochen spritzen wir dann mehrmals täglich eine verdünnte örtliche Betäubungsmittellösung ein. Dabei wählen wir die Konzentration des Wirkstoffes so, daß die grobe Kraft und damit die Beweglichkeit erhalten bleibt, aber die Schmerzempfindlichkeit deutlich herabgesetzt oder gar aufgehoben ist.
    Anwendungsbereiche
    :
    (vorderer) Oberschenkelschmerz, Knieschmerz und zum Teil Unterschenkelschmerzen (vorderer und innerer Anteil).

  2. Gegen Schmerzen im Hüft- (auch ftgelenk) und Le istenbereich kann vorgenannte Methode verändert angewendet werden (der sog. 3 in 1-Block oder die Pl exus lumbal is-Blockade): Wenn man die Menge der örtlichen Betäubungsmittellösung erhöht (ca. 25-35 ml) und während des Einspritzens den Oberschen kel abstaut, wird die Wirkstofflösung nach oben getrieben (innerhalb der Nervenscheide) und betäubt weitere Nerven, die die genannten Körpergebiete versorgen.

  3. N. isch iadicus: Bei dieser Methode suchen wir von der Oberschenkelrückseite her, handbreit unter dem Gesä ß, den Ischiasnerv in der Tiefe mit einer Kanüle auf und legen einen dünnen Kunststoffschlauch in die zugehörige Nervenscheide (Gewebsumhüllung) ein. In den folgenden 2-3 Wochen wird dann in diesen Schlauch mehrmals täglich eine verdünnte, örtliche Betäubungsmittellösung eingespritzt. Je nach Wirkstoffkonzentration kommt es dann im Versorgungsgebiet des Nerven zu einer Verminderung der Schmerzempfindlichkeit bis hin zur Schmerzfreiheit.
    Anwendungsbereiche:
    rückwärtige Oberschenkelschmerzen, hintere und äußere Unterschen kel-, Fu ß- und Fußgelenkschmerzen.

  4. Plexus brachialis: Die Einpflanzung des Katheters erfolgt nahe der Achselhöhle am inneren Oberarm oder im seitlichen unteren Halsbereich (der sog. interskalenäre Zugang).
    Anwendungsbereiche: der ganze Arm einschließlich Ellbogenschmerzen und Handgelenkschmerz, in der sog. retrograd hohen Variante oder beim interskalenären Zugang auch Schulterschmerzen.

Wenn Schmerzen aufgrund einer Zeckenborreliose längerfristig bestehen, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

Weitere Informationen zu Zeckenerkrankungen und zur Zeckenborreliose finden Sie unter:
www.zeckenbiss-borreliose.de

In Deutschland gibt es mittlerweile an vielen Orten Selbsthilfegruppen. Falls Sie Interesse haben: www.borreliose-bund.de (einfach anklicken).

Aktualisiert: 18.08.05
A
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